Ratgeber Pflege

Einen geölten Eichentisch pflegen

Ein geölter Eichentisch, ob mit Hartwachsöl oder 2K-Öl behandelt, braucht im Alltag vor allem ein nebelfeuchtes Tuch. Flecken von Wasser, Rotwein und Fett lassen sich meist anschleifen und nachölen, weil das Öl im Holz sitzt und nicht als Film darauf. Nasse Lappen und Scheuermittel gehören nie auf die Platte.

Eugen Stieben · Inhaber, Holz und Oberfläche · Stand:

Brennende Kerze auf einer geölten Eichenplatte, Maserung im warmen Licht

Was macht Öl mit dem Holz?

Öl zieht in die obersten Zehntelmillimeter der Eiche ein und härtet dort aus. Die Poren bleiben offen, das Holz fühlt sich weiter wie Holz an, und Wasserdampf kann durch die Oberfläche hindurch. Das unterscheidet Hartwachsöl und 2K-Öl von Lack, der als geschlossener Film auf dem Holz liegt. Für die Pflege bedeutet das zweierlei: Die Oberfläche nimmt Feuchtigkeit leichter an als Lack, und jede Stelle lässt sich einzeln ausbessern, ohne die ganze Platte neu zu machen.

Bei uns wird jede Platte gehobelt, gewässert, geschliffen und dann so lange geölt, bis die Oberfläche geschlossen ist. Das Wässern hebt die Fasern vor dem letzten Schliff an, damit sie nicht erst beim ersten feuchten Wischen aufstehen.

Wie pflege ich den Tisch im Alltag?

Im Alltag genügt ein Baumwolltuch, das Sie in klarem Wasser auswringen, bis es nur noch nebelfeucht ist. Wischen Sie in Richtung der Maserung und lassen Sie die Platte an der Luft trocknen. Krümel und Sand vorher trocken abkehren, sonst reiben sie wie Schleifpapier. Ein Tropfen Spülmittel im Wasser ist in Ordnung, alles Stärkere greift das Öl an. Untersetzer unter heiße Töpfe und nasse Gläser sind kein Zeichen von Ängstlichkeit, sondern sparen Ihnen das Schleifen.

Wasser, Rotwein, Fett: Was tun bei Flecken?

Bei einem geölten Tisch sitzt der Fleck im Holz, und genau dort lässt er sich auch wieder herausholen. Die Reihenfolge ist immer gleich: erst trocken aufnehmen, dann mit dem nebelfeuchten Tuch, dann warten. Viele Ränder verschwinden nach ein bis zwei Tagen von selbst, wenn die Feuchtigkeit aus dem Holz zieht. Erst was dann noch da ist, wird angeschliffen und nachgeölt.

Flecken auf geölter Eiche
FleckSofortWenn er bleibt
Wasserrand von Glas oder Vasetrocken wischen, 1 bis 2 Tage abwartenmit Korn 240 in Faserrichtung anschleifen, dünn nachölen
Rotwein, Kaffee, Teesofort aufnehmen, nebelfeucht nachwischenanschleifen, bei dunklem Rand zwei Durchgänge, nachölen
Fett, Salatölmit Küchenpapier abtupfen, nicht verreibenmeist harmlos, da das Holz ohnehin geölt ist; bei Rand anschleifen und nachölen
Heißer Topf, heller Flecknichts, abkühlen lassenanschleifen, nachölen; tiefe Brandspuren zu uns bringen
Kratzer, DruckstelleDruckstelle mit feuchtem Tuch und Bügeleisen anhebenanschleifen, nachölen
Schwarzer Fleck durch Metall und NässeGegenstand entfernen, trocknenGerbsäure der Eiche reagiert mit Eisen; anschleifen, sonst zu uns bringen

Bei jedem Schleifen nur die betroffene Stelle und einen weichen Übergang zum Rest der Platte bearbeiten.

Der schwarze Fleck verdient einen eigenen Satz. Eiche enthält Gerbsäure, und die reagiert mit Eisen und Wasser zu einer schwarzen Verfärbung. Eine nasse Konservendose, ein feuchter Schlüsselbund oder ein Topf mit Rostrand reichen dafür aus. Das ist keine Schmutzschicht, sondern eine Reaktion im Holz, deshalb hilft Wischen nicht. Meist lässt sich der Fleck flach ausschleifen; wenn er tiefer sitzt, sehen wir ihn uns an.

Nachölen in sechs Schritten

Nachölen ist keine Tischlerarbeit, sondern eine Stunde am Wochenende. Sie brauchen ein Schleifpad oder Schleifpapier mit Korn 240 bis 320, fusselfreie Baumwolltücher und das Pflegeöl, das zu Ihrer Oberfläche passt. Wichtig ist, dünn aufzutragen: Öl, das auf der Platte stehen bleibt, wird klebrig und trocknet fleckig.

  1. Schritt 1

    Reinigen

    Platte mit dem nebelfeuchten Tuch abwischen und vollständig trocknen lassen, mindestens zwei Stunden.

  2. Schritt 2

    Anschleifen

    Matte oder fleckige Stellen mit Korn 240 in Faserrichtung leicht anschleifen. Nicht durchschleifen, es geht nur um die oberste Schicht. Schleifstaub gründlich abwischen.

  3. Schritt 3

    Öl auftragen

    Eine kleine Menge Öl mit dem Tuch dünn und gleichmäßig in Faserrichtung einreiben. Lieber zwei dünne Schichten als eine dicke.

  4. Schritt 4

    Einziehen lassen

    Nach der Zeit aus der Anleitung des Öls, meist 15 bis 30 Minuten, hat das Holz aufgenommen, was es aufnimmt.

  5. Schritt 5

    Überschuss abnehmen

    Mit einem frischen, trockenen Tuch alles Öl abnehmen, das noch auf der Oberfläche steht. Die Platte darf nicht mehr glänzen oder kleben.

  6. Schritt 6

    Trocknen und Lappen entsorgen

    12 bis 24 Stunden nicht belasten, gut lüften. Ölgetränkte Tücher ausgebreitet im Freien trocknen lassen oder in Wasser legen: Sie können sich beim Aushärten selbst entzünden.

Was Sie nie tun sollten

Wie oft muss nachgeölt werden?

Kleine Ausbesserungen reichen an den Stellen, die matt oder heller werden, meist vor den Sitzplätzen und an der Kante, wo die Unterarme liegen. Das Holz sagt Ihnen, wann es so weit ist: Wenn ein Wassertropfen nicht mehr abperlt, sondern einzieht und einen dunklen Fleck hinterlässt, fehlt Öl.

Ein Tisch, der so gepflegt wird, sieht nach zehn Jahren nicht neu aus, sondern benutzt. Die Kante wird an den Sitzplätzen etwas glatter, die Farbe der Eiche wird mit dem Licht dunkler und wärmer. Das ist der Grund, warum wir Esstische aus Eiche ölen und nicht lackieren: Ein Lack sieht am ersten Tag am besten aus, ein geölter Tisch nach dem zehnten Jahr.

Maserung von geölter Eiche, Nahaufnahme mit offenen Poren
Geölte Eiche: Die Poren bleiben offen, das Öl sitzt im Holz.

Häufige Fragen zur Pflege

Wie bekomme ich einen Wasserfleck aus dem geölten Eichentisch?
Erst abwarten, dann schleifen. Ein heller Wasserrand verschwindet oft nach ein bis zwei Tagen von selbst, wenn die Feuchtigkeit aus dem Holz zieht. Bleibt er, schleifen Sie die Stelle mit Korn 240 leicht in Faserrichtung an, wischen den Staub ab und ölen dünn nach. Ein dunkler Rand braucht manchmal zwei Durchgänge. Ist der Fleck schwarz, hat Eisen mit der Gerbsäure der Eiche reagiert; auch das lässt sich meist ausschleifen.
Kann ich einen geölten Tisch mit Spülmittel reinigen?
Ja, ein Tropfen Spülmittel in einem Liter Wasser ist unbedenklich, wenn das Tuch danach nur nebelfeucht ist. Scheuermilch, Essigreiniger, Glasreiniger und Polituren mit Silikon greifen dagegen das Öl an oder legen eine Schicht auf das Holz, auf der später kein Öl mehr haftet. Sprühreiniger nie direkt auf die Platte, sondern auf das Tuch.
Welches Öl nehme ich zum Nachölen?
Das Öl, mit dem der Tisch behandelt wurde, oder ein Pflegeöl desselben Herstellers. Hartwachsöl und 2K-Öl unterscheiden sich in Härte und Trocknung, und ein fremdes Öl darauf kann fleckig trocknen. Bei einem Tisch von uns fragen Sie einfach nach, wir sagen Ihnen, welches Öl auf der Platte ist. Bei einem fremden Tisch fragen Sie den Hersteller oder testen an der Unterseite.
Muss ich die ganze Platte schleifen, wenn nur eine Stelle fleckig ist?
Nein, das ist der Vorteil einer geölten Oberfläche. Sie schleifen nur die Stelle mit einem weichen Übergang zum Rest und ölen sie nach. Nach dem Trocknen sieht man den Übergang bei Eiche in der Regel nicht mehr, weil das Öl in der Farbe angleicht. Bei Lack ginge das nicht, dort müsste die ganze Fläche abgeschliffen und neu lackiert werden.
Warum können ölgetränkte Lappen brennen?
Öle wie Leinöl härten durch Aufnahme von Sauerstoff aus, und dabei entsteht Wärme. In einem zusammengeknüllten Lappen staut sich diese Wärme, bis der Stoff sich von selbst entzündet. Deshalb gebrauchte Tücher ausgebreitet im Freien trocknen lassen oder in einen Eimer Wasser legen und erst dann entsorgen. Das gilt für jedes Öl auf Holz, auch für Pflegeöl aus dem Baumarkt.

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