Ratgeber Holz

Echte Baumkante erkennen

Eine echte Naturkante (oft Baumkante genannt) erkennen Sie an 5 Merkmalen: Die Kante ist an der Stirnseite das Ende der Bohle, der Splint ist heller als der Kern, die Jahrringe laufen im Bogen auf die Kante zu, die Wellen wiederholen sich nicht, und die beiden Längsseiten sind verschieden. Eine gefräste Kante ist zu regelmäßig, eine aufgeleimte zu schmal.

Eugen Stieben · Inhaber, Holz und Oberfläche · Stand:

Naturkante einer Eichenbohle im Streiflicht, mit hellem Splint und dunklerem Kern

Was ist eine Baumkante überhaupt?

Die Baumkante ist der Rand einer Bohle, an dem der Stamm aufhört. Wird ein Stamm der Länge nach in Bohlen gesägt, bleibt an beiden Längsseiten die runde Außenseite des Baumes stehen, mit Rinde, Bast und dem hellen Splintholz darunter. Im Sägewerk heißt dieser Streifen Waldkante, Baumkante oder Fehlkante, und normalerweise wird er abgesägt, das nennt man Besäumen. Bei einem Baumkantentisch bleibt er dran. Wir sagen dazu Naturkante, weil das Wort beschreibt, was man sieht: die Form, die der Baum gewachsen ist.

Weil Tische mit dieser Kante gefragt sind, gibt es sie inzwischen auch aus Leimholz. Dabei wird an einer geraden Platte eine Wellenlinie gefräst, oder es wird ein schmaler Streifen mit Kante an eine Leimholzplatte geleimt. Von weitem sieht das ähnlich aus. Aus der Nähe und mit den fünf Merkmalen unten nicht mehr.

Die fünf Merkmale einer echten Naturkante

Echte Naturkante gegen gefräste und aufgeleimte Kante
MerkmalEchte NaturkanteGefräste KanteAufgeleimte Kante
1. StirnseiteDie Jahrringe laufen als Bögen bis an die Kante und hören dort auf, weil dort der Stamm endetDie Jahrringe werden von der Wellenlinie angeschnitten, an der Stirnseite sind Lamellen zu sehenAn der Stirnseite ist eine Leimfuge sichtbar, meist 3 bis 8 cm vom Rand
2. SplintEin hellerer Streifen zwischen Kern und Kante, unterschiedlich breit, folgt der KanteKein Splint, die Farbe ist bis zur Kante gleichSplint nur auf dem angeleimten Streifen, dann Leimfuge
3. WellenformUnregelmäßig, mit Einbuchtungen an Ästen, wiederholt sich nirgendsGleichmäßige Wellen, manchmal in Abständen wiederholtWie echt, aber nur ein schmaler Streifen
4. Zwei LängsseitenLinks und rechts verschieden, weil der Stamm auf beiden Seiten anders gewachsen istOft spiegelgleich oder aus demselben FräsprogrammKann echt wirken, Leimfuge auf beiden Seiten
5. KantenflächeFolgt der Faser, leicht faserig, mit Spuren von Bast oder BürsteGlatt, Fräserspuren quer zur Faser, an der Unterseite scharfe KanteEcht gewachsen, aber der Übergang zur Platte ist eine Linie

Am sichersten ist die Stirnseite. Wer nur die Kante von oben ansieht, wird eher getäuscht.

Merkmal eins ist das wichtigste, und es dauert zehn Sekunden. Gehen Sie ans Kopfende des Tisches und schauen Sie auf die Stirnseite. Bei einer Bohle sehen Sie den Querschnitt des Stammes: Jahrringe als Bögen, außen der helle Splint, dann die Kante. Bei Leimholz sehen Sie nebeneinander liegende Streifen, jeder mit eigenem Jahrringverlauf, und die Wellenlinie schneidet den äußersten davon einfach an.

Wie erkenne ich eine gefräste Kante?

Eine gefräste Kante entsteht mit einer Oberfräse oder einer CNC-Maschine an einer geraden Platte. Sie ist zu schön: gleichmäßige Wellen, gleicher Schwung links und rechts, kein Ast, keine Einbuchtung. Die Fläche der Kante ist glatt, und wer mit dem Finger darüberfährt, spürt feine Rillen quer zur Faser, dort hat der Fräser gearbeitet. Der helle Splint fehlt, weil die Platte bis zur Kante aus Kernholz oder aus Lamellen besteht. An der Stirnseite ist die Sache dann eindeutig.

Manche Hersteller bürsten die gefräste Kante nach, damit sie faseriger wirkt, oder sie beizen einen hellen Streifen als Splint. Auch das erkennen Sie an der Stirnseite, denn dort ändert sich mit der Beize nicht der Jahrringverlauf.

Wie erkenne ich eine aufgeleimte Kante?

Bei einer aufgeleimten Kante ist die Kante selbst echt. Ein Streifen von 3 bis 8 cm Breite mit gewachsener Kante wird an eine Leimholzplatte geleimt. Das spart Holz, weil nur der Rand aus einer breiten Bohle kommen muss. Zu erkennen ist es an der Leimfuge: eine gerade Linie parallel zur Kante, an der Stirnseite deutlich, auf der Fläche oft nur im Streiflicht. Der Streifen hat außerdem eine eigene Maserung, die nicht in die Platte weiterläuft.

Ein Sonderfall sind Tischplatten aus zwei oder drei Bohlen, die in der Mitte verleimt sind und außen ihre Naturkante behalten. Das ist bei breiten Tischen üblich und keine Täuschung, solange der Hersteller es sagt. Die Leimfugen liegen dann in der Fläche, nicht am Rand, und jede Bohle zeigt an der Stirnseite ihren eigenen Stammquerschnitt.

Esstisch aus Eiche mit Naturkante an beiden Längsseiten, im Raum stehend
Zwei verschiedene Längsseiten: Der Stamm ist links anders gewachsen als rechts.

Fragen an den Verkäufer

Ein ehrlicher Verkäufer beantwortet diese fünf Fragen ohne Umschweife. Wer ausweicht, hat meist einen Grund.

  1. Kommt die Platte aus einer Bohle oder aus mehreren, und wo liegen die Leimfugen?
  2. Ist die Kante gewachsen, gefräst oder angeleimt?
  3. Darf ich die Stirnseite sehen, auch bei einem Tisch aus dem Katalog?
  4. Ist der Splint echt, oder ist der helle Streifen gebeizt?
  5. Woher kommt der Stamm, und wie lange ist er getrocknet?

Bei uns ist die Antwort auf die zweite Frage immer dieselbe: gewachsen, nie gefräst. Jede Platte für einen Baumkantentisch aus Eiche kommt aus Bohlen aus Brandenburg, luftgetrocknet, 45 mm stark, auf Wunsch bis 60 mm. Wer die Bohle vor dem Bau sehen will, kommt mit zum Holzhändler und sucht sie mit aus.

Häufige Fragen zur Baumkante

Ist Baumkante dasselbe wie Naturkante?
Ja, beide Wörter meinen die gewachsene Außenseite der Bohle. Im Sägewerk heißt sie auch Waldkante oder Fehlkante, weil sie beim Besäumen normalerweise abgesägt wird. Der Möbelhandel sagt Baumkante, wir sagen Naturkante. Wichtig ist der Zusatz echt: Eine gefräste Wellenlinie an Leimholz ist keine Baumkante, auch wenn sie so verkauft wird.
Woran erkenne ich am schnellsten, ob die Baumkante echt ist?
An der Stirnseite. Bei einer echten Bohle laufen die Jahrringe als Bögen bis zur Kante und enden dort, außen liegt ein hellerer Splintstreifen. Bei Leimholz sehen Sie nebeneinander liegende Lamellen, und die Wellenlinie schneidet die äußerste einfach an. Als zweites Merkmal vergleichen Sie beide Längsseiten: Echt gewachsen sind sie verschieden, gefräst oft spiegelgleich.
Ist eine aufgeleimte Baumkante schlecht?
Nicht schlecht, aber etwas anderes als eine Bohle, und das sollte im Preis stehen. Der Streifen mit der Kante ist echt, die Platte dahinter ist Leimholz aus schmalen Lamellen. Zu erkennen an der Leimfuge, die 3 bis 8 cm vom Rand parallel zur Kante verläuft. Fragen Sie, wie die Platte aufgebaut ist, und lassen Sie sich die Stirnseite zeigen.
Bleibt bei STAMWERK die Rinde an der Kante?
Die Kante bleibt so, wie sie gewachsen ist, mit Splint und allen Einbuchtungen. Wie wir Rinde und Bast behandeln und mit welchem Werkzeug die Kante danach bearbeitet wird, tragen wir hier noch nach. Sicher ist: Wir fräsen keine Kante, und wir leimen keine Kantenstreifen an. Jede Naturkante an einem Tisch von uns ist die Außenseite der Bohle, aus der die Platte geschnitten wurde.
Kann eine Platte aus mehreren Bohlen eine echte Baumkante haben?
Ja. Bei breiten Tischen werden zwei oder drei Bohlen in der Mitte verleimt, außen behält jede ihre gewachsene Kante. Das ist Tischlerpraxis und keine Täuschung, solange der Hersteller es sagt. Der Unterschied zur aufgeleimten Kante: Die Fugen liegen in der Fläche, und jede Bohle zeigt an der Stirnseite ihren eigenen Stammquerschnitt mit Bögen und Splint.

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