Ratgeber Plattenaufbau

Bohle, Leimholz, Aufdopplung: Was ist ein Massivholztisch wirklich?

„Massivholz“ steht auf Tischen für 900 € und auf Tischen für 5.000 €, und beides ist erlaubt. Der Unterschied liegt im Aufbau der Platte: durchgehende Bohle, verleimte Lamellen von 4 cm oder eine dünne Platte, die an der Kante auf 6 cm aufgedoppelt wird. An der Stirnseite sehen Sie in 10 Sekunden, was Sie vor sich haben.

Eugen Stieben · Inhaber, Holz und Oberfläche · Stand:

Eichenplatte mit zwei Holzschmetterlingen im Streiflicht, Nahaufnahme

Was ist eine Bohle?

Eine Bohle ist ein dickes Brett, das in einem Stück aus dem Stamm gesägt wird. Bei uns ist sie 45 mm stark, auf Wunsch bis 60 mm, und so breit, wie der Stamm es hergibt. Eine Tischplatte aus Bohlen besteht aus ein bis drei solcher Stücke, die nebeneinander verleimt werden. Die Jahrringe laufen durch, die Außenkante ist die Kante des Baumes, und jede Platte sieht anders aus, weil jeder Stamm anders gewachsen ist.

Eine Bohle muss lange trocknen, bei Lufttrocknung Jahre statt Wochen, bevor sie in die Werkstatt kommt. Diese Zeit ist der erste Grund, warum ein Bohlentisch mehr kostet als eine Leimholzplatte: Das Holz bindet Kapital und Lagerfläche, lange bevor jemand einen Tisch bestellt.

Was ist Leimholz und woran erkennt man es?

Leimholz besteht aus schmalen Lamellen, oft 40 bis 60 mm breit, die nebeneinander und teils auch in der Länge keilgezinkt verleimt werden. Das Ergebnis ist eine gleichmäßige, günstige Platte, meist 40 mm stark, mit einem Muster aus vielen kleinen Streifen. Auch Leimholz ist Massivholz, denn jede Lamelle ist Holz und kein Spanplatte. Nur ist es nicht das, was die meisten Menschen meinen, wenn sie einen Tisch „aus einem Baum“ suchen.

Erkennen lässt sich Leimholz an drei Stellen. Auf der Fläche wechselt die Maserung alle paar Zentimeter die Richtung, weil jede Lamelle aus einem anderen Stammabschnitt kommt. An der Stirnseite sehen Sie die Leimfugen als feine Linien im Abstand der Lamellenbreite, und die Jahrringe stehen in jeder Lamelle anders. Und eine Baumkante an Leimholz ist immer gefräst oder angeleimt, weil kein Stamm so gerade Streifen liefert. Wie Sie eine gefräste Kante erkennen, steht im Ratgeber Echte Baumkante erkennen.

Was bedeutet Aufdopplung?

Eine Aufdopplung täuscht Stärke vor. Die Platte selbst ist 25 oder 30 mm dünn, an den Kanten wird ein Streifen unter die Platte geleimt, sodass der Rand 60 mm stark aussieht. Von der Seite betrachtet wirkt der Tisch wuchtig, von unten sehen Sie eine Kante aus zwei Schichten und eine dünne Fläche in der Mitte. Bei Möbelketten ist das üblich, weil es Holz, Gewicht und Frachtkosten spart.

Eine aufgedoppelte Platte ist kein Betrug, solange der Anbieter es sagt. Problematisch wird es, wenn „6 cm Massivholz“ im Katalog steht und 2,5 cm im Wohnzimmer ankommen. Fragen Sie deshalb nach der Stärke der Platte in der Mitte, nicht am Rand. Die Antwort trennt die Angebote schneller als jeder Preisvergleich.

Drei Aufbauten im Vergleich

Bohle, Leimholz und Aufdopplung im Vergleich
KriteriumBohleLeimholzAufdopplung
Aufbau1 bis 3 Stücke aus einem Stamm, durchgehendviele Lamellen von 40 bis 60 mm, verleimtdünne Platte, Kante mit Streifen unterlegt
Stärke üblich45 bis 60 mm durchgehend40 mm durchgehend25 bis 30 mm, am Rand 50 bis 60 mm
Stirnseitewenige Fugen, Jahrringe laufen durchfeine Fugen im Lamellenabstandwaagerechte Leimfuge unter der Kante
Echte Naturkantemöglich, ist die Stammkantenur gefräst oder angeleimtnur gefräst oder angeleimt
Rissemöglich, werden mit Holz geschlossenselten, Lamellen sind kleinselten
TrocknungJahre an der Luft oder in der KammerWochen in der KammerWochen in der Kammer
Marktpreis 220 × 100 cm mit StahlgestellManufaktur 2.800 bis 5.200 €Katalogware 900 bis 1.250 €meist wie Leimholz

Marktpreise nach Plan-Anhang A.2, Stand 17.09.2026, gerundet. Unikate aus einer Bohle reichen bis 9.900 €.

Woran Sie den Aufbau an der Stirnseite sehen

  1. Zählen Sie die Fugen. Zwei oder drei Fugen auf 100 cm Breite: Bohlen. Zwanzig Fugen: Leimholz.
  2. Verfolgen Sie einen Jahrring von der Stirnseite über die Fläche. Läuft er 2 m weit durch, ist es ein Stück Stamm.
  3. Streichen Sie mit der Hand unter die Kante. Fühlen Sie eine waagerechte Stufe oder eine Fuge, ist die Platte aufgedoppelt.
  4. Sehen Sie sich die Baumkante an. Wiederholt sich die Form an beiden Längsseiten spiegelgleich, ist sie gefräst.
  5. Fragen Sie nach Herkunft und Trocknung. Wer eine Bohle verarbeitet, kennt beides und sagt es gern.
Naturkante einer Eichenbohle mit sichtbarem Splint, Hochformat
Die Kante einer Bohle ist die Kante des Stammes, mit Splint und Kern.

Warum erklärt der Plattenaufbau den Preis?

Ein Eichentisch 220 × 100 cm mit Stahlgestell kostet als Katalogware mit 4 cm Leimholz rund 900 bis 1.250 €, in einer Manufaktur mit durchgehender Bohle 2.800 bis 5.200 €, Stand September 2026. Der Unterschied steckt fast vollständig in der Platte. Für Leimholz reichen kurze, schmale Stücke, die maschinell sortiert, gezinkt und in Wochen kammergetrocknet werden. Für eine breite Bohle braucht es einen dicken Stamm, Jahre Trocknung und einen Tischler, der die Platte einzeln hobelt, wässert, schleift und ölt.

Dazu kommt der Ausschuss. Aus einem Stamm werden vielleicht drei Bohlen, die breit und gesund genug für eine Tischplatte sind. Der Rest hat Äste, Risse oder Drehwuchs und geht in kleinere Möbel. Diese Auswahl bezahlen Sie mit, und sie ist der Grund, warum wir bei STAMWERK ab 4.500 € inklusive Mehrwertsteuer beginnen, mit Gestell. Wie sich dieser Preis zusammensetzt, zeigt die Seite Preisbeispiele für Esstische.

Was STAMWERK baut

STAMWERK baut Tischplatten aus Eichenbohlen, 45 mm im Standard, bis 60 mm auf Wunsch, aus luftgetrocknetem Holz aus Brandenburg. Die Bohlen werden nebeneinander verleimt, die Kante bleibt die Naturkante (oft Baumkante genannt) oder wird gerade beziehungsweise als Schweizer Kante gearbeitet. Risse, die beim Trocknen entstanden sind, schließen wir mit Schmetterlingen aus Holz, nie mit Epoxidharz. Leimholz und Aufdopplungen kommen bei uns nicht vor.

Wer einen Tisch bei uns bestellt, kann die Bohle mit Eugen beim Lieferanten aussuchen. Dann sehen Sie das Holz im Stapel, mit Rinde, Rissen und allem, was später Charakter wird. Das Zertifikat zum Tisch nennt Holzart, Herkunft und Maße, damit der Aufbau auch in 20 Jahren nachvollziehbar bleibt.

Häufige Fragen zum Plattenaufbau

Ist Leimholz auch Massivholz?
Ja. Leimholz besteht aus verleimten Holzlamellen und darf als Massivholz verkauft werden, im Gegensatz zu furnierter Spanplatte oder MDF. Der Unterschied zur Bohle liegt in der Größe der Stücke: Lamellen sind 40 bis 60 mm breit, eine Bohle ist so breit wie der Stamm. Beides ist Holz, aber nur die Bohle zeigt den Baum.
Woran erkenne ich eine aufgedoppelte Tischplatte?
An der Unterseite und an der Stirnseite. Unter der Kante liegt ein zweiter Streifen Holz, der mit einer waagerechten Fuge an die Platte geleimt ist; in der Mitte ist die Platte dünner als am Rand. Wenn Sie mit der Hand unter die Kante fassen, spüren Sie die Stufe. Fragen Sie im Zweifel nach der Stärke in der Plattenmitte.
Reißt eine Bohle eher als Leimholz?
Ja, das Risiko ist größer, weil ein breites Stück Holz stärker arbeitet als viele kleine. Gute Trocknung und ein Raumklima von 40 bis 60 % relativer Luftfeuchte halten das Risiko klein. Entsteht trotzdem ein Riss, schließen wir ihn mit einem Holzschmetterling. Bei Leimholz reißt selten etwas, dafür fehlt die durchgehende Maserung.
Warum kostet ein Bohlentisch das Drei- bis Vierfache von Leimholz?
Weil die Platte mehr Holz, mehr Zeit und mehr Auswahl braucht. Ein dicker Stamm, Jahre Trocknung, Ausschuss durch Äste und Risse und die Handarbeit an jeder Platte machen den Unterschied. Katalogware liegt bei 900 bis 1.250 €, Manufakturen bei 2.800 bis 5.200 €, Stand September 2026.

Ihr Tisch

Vom Gespräch zum Tisch.

Der Konfigurator zeigt in zwei Minuten einen Richtpreis für Ihre Maße. Verbindlich wird er im Gespräch, wenn die Bohle feststeht.

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